Steuerungsindikatoren

Im Rahmen unseres Performance-Managements messen wir die ökonomische Wertsteigerung von der strategischen Planung bis hin zur operativen Steuerung mit unserem zentralen Steuerungsindikator Intrinsic Value Creation (IVC).

Mithilfe des IVC werden die Wertbeiträge des Konzerns auf unterschiedlichen Hierarchieebenen – Konzern-, Ressort- und Gesellschaftsebene – erfasst und konsistent zugeordnet. Der IVC und seine methodische Ableitung bilden die Grundlage, auf der sich die Wertbeiträge der Ressorts sowie der einzelnen operativen Einheiten unter Berücksichtigung ihrer individuellen Charakteristika vergleichbar messen lassen, um wertschöpfende Bereiche zuverlässig aufzudecken. Die Kernsteuerungsgrößen, die operativen Steuerungsgrößen und ihre jeweilige Zielerreichung verschaffen die erforderliche Transparenz, um den Kapital- und Ressourceneinsatz zu optimieren, Chancen und Risiken zu identifizieren und weiterführende Maßnahmen zu initiieren.

Unser Instrumentarium der wertorientierten Steuerung wurde 2010 fortlaufend verfeinert und im konzernweiten Steuerungsprozess verfestigt. Einen wesentlichen Schwerpunkt bildete die – auch im Zusammenhang mit den einschlägigen Initiativen zur Regelung der Vergütungssysteme im Versicherungsbereich zu sehende – Konzeptionierung für die Operationalisierung der wertorientierten Steuerung auf Ressort-, Gesellschafts- und Spartenebene. Die methodische Ableitung des IVC – und damit der ökonomischen Wertschaffung – erfolgt unverändert nach dem einheitlichen Grundschema für die Leben-Gesellschaften und Nicht-Leben-Gesellschaften. Die Wertschaffung stellt danach den ökonomischen Periodenerfolg nach Abzug der Kapitalkosten dar.

Der IVC wird auf Basis der spezifisch unterschiedlichen Kenngrößen für „Leben“ und „Nicht-Leben“ unterschiedlich berechnet:

Grafik: Kenngrößen für „Leben“ und „Nicht-Leben“

Im Bereich Nicht-Leben (d. h. Schaden/Unfallversicherung sowohl in der Erst- als auch in der Rückversicherung) bemisst der IVC die Differenz zwischen dem NOPAT (Net Operating Profit after Adjustments and Tax) und den Kapitalkosten für Risk-Based Capital und Excess Capital.

Der NOPAT ist eine ökonomisch aussagefähige, periodengerechte Ergebnis- und Steuerungsgröße. Er setzt sich zusammen aus dem IFRS-Jahresüberschuss nach Steuern und Marktwertadjustierungen, die sich aus der Veränderung der Unterschiedsbeträge zwischen Barwerten und Bilanzansatz ergeben (z. B. Schadenreservediskont, Schaden-Überreserven, nicht ergebniswirksame Marktwertveränderungen).

Die Kapitalkosten bestehen aus den Kosten für das zugewiesene Risk-Based Capital sowie Kosten des Excess Capital. Während das Risk-Based Capital mit dem Talanx-Risikomodell mit einem 99,97-prozentigen Value-at-Risk-Ansatz risikoadäquat auf die ergebnisverantwortlichen Einheiten verteilt wird, ergibt sich das Excess Capital als Unterschiedsbetrag des Risk-Based Capital zum Company’s Capital. Die Kosten für das Risk-Based Capital errechnen sich aus folgenden Komponenten: einem risikofreien Basiszins*, friktionalen Kosten** und einer marktadäquaten Risikomarge. Für das Excess Capital werden dagegen nur der risikofreie Zins sowie die friktionalen Kosten angesetzt, da es sich hierbei um nicht im Risiko stehendes Kapital handelt. Auf Basis unserer aktuell gültigen Bestimmung der Kapitalkosten ergeben sich für das Risk-Based Capital Opportunitätskosten des Investors, die um 600 Basispunkte über dem risikofreien Zinssatz liegen. Oberhalb dieses Zinssatzes wird Wert geschaffen. Die in unserer Dachstrategie formulierte Zielsetzung einer Eigenkapitalrendite für den Konzern von mindestens 750 Basispunkten über „risikofrei“ beinhaltet damit bereits einen nicht unerheblichen Wertschöpfungsanspruch.

Im Bereich Leben (d. h. Personenversicherung sowohl in der Erst- als auch Rückversicherung) bewerten wir die Wertschaffung anhand der Veränderung des Market Consistent Embedded Value (MCEV), die sich in der Größe MCEV Earnings widerspiegelt. Der MCEV ist definiert als Unternehmenswert, der als diskontierter Ertragsstrom bis zur vollständigen Abwicklung des Bestandsportefeuilles gemessen wird, zuzüglich des Zeitwerts der Eigenmittel unter Berücksichtigung von Kapitalbindungskosten. Den MCEV haben wir als Basis für die wertorientierte Steuerung des Lebensversicherungsgeschäfts gewählt, weil er den im bereits kontrahierten Versicherungsbestand liegenden Wert des Unternehmens aus Sicht des Aktionärs darstellt. Der IVC Leben ergibt sich als Differenz zwischen MCEV Earnings und Roll Forward, der den erwarteten Kapitalkosten unter Berücksichtigung der Risikoexponierung im Bereich der Kapitalmarktrisiken entspricht.

Um die vergleichbare Rendite unterschiedlich großer Geschäftseinheiten oder Geschäftsbereiche zu messen, wird der IVC ins Verhältnis zum jeweils vorhandenen Kapital gesetzt. Auf diese Weise erhalten wir die Kennzahl xRoCC (Excess Return on Company’s Capital), die die über den Kapitalkostensatz hinausgehende Rendite für den Aktionär aufzeigt.

* Im Zusammenhang mit Risk-Based Capital: ermittelt als dreijähriger Durchschnitt zehnjähriger Swap-Rates
** Opportunitätskosten, die dem Aktionär dadurch entstehen, dass er sein Kapital nicht direkt in den Kapitalmarkt, sondern „auf dem Umweg“ über ein Unternehmen investiert und das Kapital im Unternehmen gebunden statt frei fungibel ist