Prognosebericht

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Für 2011 erwarten wir eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung. Die Entwicklung wird aber auch weiter von hoher Heterogenität geprägt sein. Das stärkste Wachstum wird in den Schwellenländern generiert werden, die von einem anziehenden Binnenkonsum und vergleichsweise geringen Verschuldungsgraden profitieren. Dagegen werden viele entwickelte Länder unter hohen Schuldenlasten zu leiden haben. Diese strukturellen Ungleichgewichte werden sich negativ auf das Potenzialwachstum der betroffenen Länder auswirken. Dies gilt insbesondere für die Länder der Eurozonen-Peripherie, hier werden die zum Schuldenabbau unerlässlichen Sparanstrengungen der Regierungen die öffentlichen sowie privaten Konsumausgaben und damit das Wachstum bremsen. Dagegen wird Deutschland über sein exportorientiertes Wachstumsmodell stärker von der positiven Entwicklung der Schwellenländer profitieren und auch im kommenden Jahr im Vergleich zur Eurozone überdurchschnittlich wachsen. Auch für die USA erwarten wir ein Fortschreiten der Erholung und ein Wachstum über dem der Eurozone. Die Entwicklung der US-amerikanischen Wirtschaft hängt aufgrund des hohen Anteils des Binnenkonsums am Bruttoinlandsprodukt in hohem Maß von der Entwicklung des Arbeitsmarkts ab. Hier erwarten wir eine Fortsetzung der allmählichen Entspannung, bei der allerdings auch immer wieder mit kleineren Rücksetzern gerechnet werden muss.

Die realwirtschaftliche Situation wird auch 2011 keinen größeren Preisdruck aufkommen lassen, da nicht ausgelastete Kapazitäten und hohe Arbeitslosigkeit wenig Spielraum für Preisüberwälzungen bieten. Eine zurückhaltende Kreditvergabe zeigt, dass die Geldbestände der Zentralbanken kaum ihren Weg in die Realwirtschaft finden und dass dieser geldpolitisch vorgesehene Transmissionskanal weiterhin gestört ist. Für 2011 erwarten wir keine signifikante Veränderung und gehen von leicht anziehenden Teuerungsraten ohne wirklichen Inflationsdruck aus. Dagegen besteht in einigen Schwellenländern bereits spürbarer Preisdruck, der über importierte Inflation auch in entwickelten Ländern Wirkung zeigen wird, wenn auch in abgeschwächter Form. Der Rohstoffhunger der aufstrebenden Länder bleibt ungebrochen und könnte auch 2011 über steigende Energiepreise teilweise seinen Weg in die Warenkörbe der entwickelten Länder finden. Die insgesamt verhalten positive konjunkturelle Entwicklung gibt den Zentralbanken auch 2011 wenig Anlass, ein rasches Ende ihrer sehr expansiven Geldpolitik herbeizuführen. Insofern erwarten wir im laufenden Jahr keine deutliche Abkehr von der expansiven Geldpolitik.

2012 ist eine geldpolitische Straffung wahrscheinlicher. Anhaltendes Wachstum, sinkende Arbeitslosigkeit und steigende Kapazitätsauslastung werden hier zu etwas stärkerem Preisdruck führen. Weiterhin dynamisch wachsende Emerging Markets verstärken den Preisdruck über steigende Rohstoffpreise. Eine zyklische Abschwächung der Wachstumsdynamik ist 2012 wahrscheinlich. Aktuell ist noch kein erneuter Abschwung zu befürchten, strukturelle Probleme wie hohe Schuldenstände der privaten und öffentlichen Haushalte in den entwickelten Staaten stellen aber auch weiterhin hohe Risiken dar.