Märkte, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen

Kapitalmärkte

Die Zentralbanken der USA und der Eurozone setzten ihre äußerst lockere Geldpolitik 2010 fort. Die US-Notenbank ließ ihren Leitzins unverändert nahe null. Im 3. Quartal beschloss sie, Gelder aus fällig werdenden Papieren in US-Staatsanleihen anzulegen. Im November folgte die Bekanntgabe einer weiteren geldpolitischen Expansion durch den zusätzlichen Erwerb von Staatstiteln. Insgesamt will die amerikanische Zentralbank bis Sommer 2011 den Gegenwert von ca. 900 Mrd. USD ankaufen. Auslöser für diese beispiellosen Maßnahmen war die Sorge vor einem erneuten Abgleiten der US-Wirtschaft in die Rezession.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) blieb 2010 mit dem Fuß auf dem Gaspedal. Der Leitzins wurde unverändert bei 1 % belassen und die Tendergeschäfte voll zugeteilt. Darüber hinaus begann auch die EZB mit dem Ankauf von Staatsanleihen. Dieser Schritt, der ein Novum in der Geschichte der EZB darstellte, wurde mit der temporär eingeschränkten Funktionsfähigkeit der Märkte begründet: Die Geldmenge soll durch diese Maßnahmen nicht ausgedehnt werden, sondern über Gegengeschäfte auf einem konstanten Niveau gehalten werden.

Nach einem ruhigen 1. Quartal mit sich seitwärts entwickelnden Renditen rückte in den Folgemonaten die Verschuldungskrise der Peripherie in den Fokus. Bei den Marktteilnehmern führte das zu einer Flucht in risikoarme Anlageklassen. Davon profitierte der Markt für Staatsanleihen von AAA-Kernländern, insbesondere Deutschland. Die Risikoaversion der Marktteilnehmer ließ die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen in der Eurozone zwischen April und August mehrfach auf Niveaus knapp über 2 % fallen. Parallel dazu kam es zu einer deutlichen Ausweitung der Risikoaufschläge für Euro-Peripherie-Staatsanleihen. In der Folgezeit sorgten umfangreiche Rettungspakete zwar immer wieder für kurzfristige Marktberuhigungen, die Skepsis der Marktteilnehmer bleibt aber bis heute insgesamt sehr hoch.

Renditen zehnjähriger Staatsanleihen 2010
Liniendiagramm: Renditen zehnjähriger Staatsanleihen 2010

Zusammen mit der Implementierung eines Bankenreorganisationsgesetzes in Deutschland Anfang November kam es auch im Marktsegment der Finanzanleihen zu einer deutlichen Ausweitung der Risikoaufschläge. Da sich auf der konjunkturellen Seite insbesondere in Deutschland eine positive Entwicklung abzeichnete, kam es auf der Zinsseite in diesem Zeitraum zu einem deutlichen Anstieg der Renditen. Zehnjährige Bundesanleihen notierten am Jahresende bei knapp unter 3 %. Alle maßgeblichen Euro-Rentenmärkte konnten das Jahr mit einer positiven Performance abschließen.

Entwicklung der Aktienmärkte 2010
Liniendiagramm: Entwicklung der Aktienmärkte 2010

Die Entwicklung an den Aktienmärkten der entwickelten Länder war 2010 geprägt durch die Staatsschuldenkrise. Auf eine kurze Konsolidierungsphase zu Beginn des Jahres folgte eine Aufwärtsbewegung ab Februar, die bereits zum Anfang des 2. Quartals wegen der aufkeimenden Staatsschuldenproblematik ihr Ende fand. Bis zum Ende des 3. Quartals folgte eine Seitwärtsbewegung. Das Schlussquartal 2010 bot eine Jahresendrally, in der fast alle Indizes neue Hochstände markierten.

Die unterschiedliche konjunkturelle Entwicklung spiegelte sich in den Aktienindizes wider. Die starke Entwicklung der deutschen Wirtschaft übertrug sich auf den DAX, der das Jahr mit einer Performance von +16 % abschloss. Dagegen präsentierte sich der Euro Stoxx 50 im Zuge der Staatsschuldenkrise der Eurozonen-Peripheriestaaten im Jahresverlauf schwach und verzeichnete eine negative Performance von –2 %. Der S&P 500 Total Return lag im Vergleich zum Vorjahr mit +14 % vorne.

Während konjunkturelle Sorgen belastend auf die Aktienmärkte wirkten, waren neben der von Zentralbanken nach wie vor reichlich bereitgestellten Liquidität insbesondere überraschend hohe Unternehmensgewinne und eine verstärkte M&A-Aktivität positive Treiber. Auch der erfolgreiche Bankenstresstest zu Beginn der zweiten Jahreshälfte sorgte für Erleichterung.