Märkte, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen

Internationale Versicherungsmärkte

Die internationalen Versicherungsmärkte standen 2010 im Zeichen der globalen konjunkturellen Erholung, die für die Versicherungsunternehmen eine gute Gelegenheit bot, ihre Kapitalausstattung nach den durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise verursachten Einbrüchen wieder aufzustocken. Die insgesamt positive Geschäftsentwicklung wurde jedoch von Störfaktoren wie der Staatsschuldenkrise sowie anhaltenden politischen Krisen in mehreren Regionen der Welt und den damit zusammenhängenden Instabilitäten beeinträchtigt. Eine kontinuierlich wachsende Bedeutung kommt darüber hinaus den seit Jahren zunehmenden Anforderungen der Regulierungsbehörden gegenüber Versicherern und Finanzdienstleistern zu, die ein breites Spektrum an neu zu implementierenden Steuerungs- und Überwachungsprozessen nach sich ziehen. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld stellt weiterhin eine immense Herausforderung für die Erfüllbarkeit der teilweise über Jahrzehnte laufenden Versicherungsverträge dar. Trotz der immer noch nicht vollständig abgeebbten Schockwellen der Finanzkrise hat sich die Versicherungsbranche im internationalen Maßstab jedoch auch 2010 als wichtiger Stabilisierungsfaktor erwiesen. Die von ihr bereitgestellten Sicherungs- und Vorsorgekonzepte bildeten wieder einen unverzichtbaren Bestandteil im volkswirtschaftlichen Kreislauf. Als einem der weltweit bedeutendsten Investoren kommt der internationalen Versicherungswirtschaft eine Schlüsselrolle für wachsenden Wohlstand der Privathaushalte und Unternehmen zu. Die Leben-Erstversicherungsmärkte konnten sich 2010 von den Rückschlägen der Finanzkrise weiter erholen, durch die einige Produkte wie die fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherung besonders stark in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Die wieder einsetzende Belebung des Neugeschäfts trug dazu bei, dass sich die Prämieneinnahmen weltweit erhöhten. Als dämpfender Faktor für die Profitabilität der Lebensversicherer wirkten sich dagegen die gesunkenen Renditen im Kapitalanlagebereich aus. In der Lebensrückversicherung erwiesen sich in den Industrieländern die Produkte für Langlebigkeitsrisiken und größere Blocktransaktionen als Wachstumstreiber, während der Absatz von Produkten zum Schutz bei Tod und Berufsunfähigkeit stagnierte. Der Bedarf an privater Altersvorsorge und Hinterbliebenenabsicherung ist dessen ungeachtet unverändert hoch, da der möglichst frühzeitige und kontinuierliche Aufbau einer kapitalgedeckten privaten Altersvorsorge einen essenziellen Baustein der langfristigen Vermögensvorsorge darstellt.

Auf den Schaden-Erst- und -Rückversicherungsmärkten zeigte sich 2010 ein heterogenes Bild. Zwar konnte der Erstversicherungssektor von einer steigenden Nachfrage infolge der konjunkturellen Aufhellung profitieren, dennoch hielt sich das Prämienwachstum – insbesondere in den gesättigten Märkten – in Grenzen. Die Fortdauer der weichen Marktverfassung insbesondere in der Industrie- und Kraftfahrtversicherung hat 2010 zu einer an einem Anstieg der Combined Ratios auf Basis der Geschäftsjahresschäden abzulesenden Verschlechterung der versicherungstechnischen Ergebnisse geführt. Dieses trifft gleichermaßen für den US-amerikanischen wie auch die größeren europäischen Versicherungsmärkte zu. Demgegenüber präsentierten sich die Rückversicherungsmärkte in einer vergleichsweise günstigeren Verfassung. Neben den positiven Abwicklungsergebnissen aus gut gepreisten Vorjahren und einer in weiten Bereichen intakten Zeichnungsdisziplin mit auskömmlichem Ratenniveau wirkte sich dies trotz hoher Großschadenlasten in insgesamt zufriedenstellenden Ergebnissen aus.

Klimatisch wird 2010 als das bisher wärmste Jahr seit Beginn der Messungen vor ca. 160 Jahren in die Statistik eingehen. Mit 950 Naturkatastrophen – davon rund 90 % wetterbedingt – verzeichnete es darüber hinaus die zweithöchste Zahl an Großschadenereignissen seit 1980. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhanges zwischen dem deutlich zu messenden Trend der Erderwärmung und der auf Rekordhöhe gestiegenen Anzahl an Naturkatastrophen wird von Geo- und Risikoforschern mittlerweile als hoch eingeschätzt. Auch die Zahl und Schwere von Erdbeben hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Höhe des volkswirtschaftlichen Gesamtschadens 2010 von ca. 60 auf rund 130 Mrd. USD weltweit an, von denen ca. 37 (2009: 22) Mrd. USD auf versicherte Schäden entfielen. 2010 war darüber hinaus die nach Zahl und Intensität drittheftigste Hurrikan-Saison der vergangenen 100 Jahre, die jedoch aufgrund der Tatsache, dass die Orkane fast nur auf dem offenen Meer tobten, zu vergleichsweise geringen Versicherungsschäden in der Größenordnung von 150 Mio. USD führte. Die weltweit steigende Besiedlungsdichte und Werteballung, kräftig wachsende Verkehrs- und Transportaufkommen und die starke internationale Vernetzung von Gütern und Dienstleistungen schlagen sich in einer immer stärker werdenden Anfälligkeit der Menschen und der Infrastruktur gegenüber Naturkatastrophen und „Man-made“-Großschäden nieder. Trotz der alarmierenden Zahlen kann daher von einem einigermaßen glimpflichen Verlauf des Jahres 2010 gesprochen werden.