Märkte, wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen

Deutsche Versicherungswirtschaft

Entwicklung der Beitragseinnahmen der einzelnen Versicherungszweige in Deutschland
 

2010 1)

2009

Veränderungen in % gegenüber Vorjahr

   

Schaden- und Unfallversicherung

+0,7

+0,2

Lebensversicherung/Pensionskassen und -fonds

+6,8

+7,1

Private Krankenversicherung

+6,0

+3,8

Gesamt

+4,7

+4,2


1)
Vorläufige Werte

Mit einem gegenüber dem Vorjahr nochmals leicht erhöhten Wachstum um gut 4 % hat die deutsche Versicherungswirtschaft ihre positive Beitragsentwicklung der vergangenen Jahre 2010 eindrucksvoll fortgesetzt. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass ein nicht unerheblicher Teil des Wachstums auf das so genannte Einmalbeitragsgeschäft in der Lebensversicherung entfällt. Hierbei handelt es sich um eine Produktgruppe, die zum einen aus Rentenversicherungs- und zum anderen aus so genannten Kapitalisierungsprodukten besteht, bei denen Anleger Kapital zu attraktiven Zinsen „parken“ können. Wenngleich eine spürbare Zurückhaltung breiter Käuferschichten – insbesondere in Bezug auf eine langfristige Bindung z. B. für die Altersvorsorge – nicht zu übersehen war, präsentierte sich die deutsche Versicherungswirtschaft auch ohne den Wachstumseffekt aus dem Einmalbeitragsgeschäft als ausgesprochen stabil. Trotz des begrenzten Wachstumspotenzials aufgrund der hohen Marktsättigung in Deutschland ist die deutsche Versicherungswirtschaft mit ihrem Sicherheitskapital mehr denn je ein verlässlicher Garant für die Abdeckung der vielfältigen Risiken im Privat- wie im Geschäftsleben.

In der deutschen Schaden- und Unfallversicherung hat sich die Geschäftsbelebung – soweit die in den meisten Sparten erreichte Marktsättigung diese zulässt – weiter verstetigt und 2010 zu einem Beitragswachstum von knapp 1 % geführt. Von ausschlaggebender Bedeutung für die Geschäftsentwicklung der gesamten Schaden- und Unfallversicherung ist weiterhin die Kraftfahrtversicherung als größte Einzelsparte. Nachdem in dieser Schlüsselsparte seit etlichen Jahren ein massiver Preiswettbewerb vorherrschte, hat vor dem Hintergrund des nicht mehr auskömmlichen Prämienniveaus nunmehr bei der Mehrzahl der Anbieter ein Umdenken zu größerer kaufmännischer Vernunft eingesetzt, das seinen Niederschlag in entsprechenden Tarifanhebungen im Neugeschäft gefunden hat. Hierin ist ein erster Schritt zu erkennen, um in einem absehbaren Zeitraum den dringend gebotenen Wiederanstieg der – zurzeit noch im Sinken begriffenen – Durchschnittsprämien in der Kraftfahrtversicherung herbeizuführen. Das Wachstum der Kraftfahrtversicherung wurde 2010 vor allem von der Kaskoversicherung generiert, während die Prämien in der Haftpflichtversicherung noch leicht rückläufig waren. Auch in den übrigen Sparten der Schaden- und Unfallversicherung ist für 2010 – mit Ausnahme der Transport- und der Allgemeinen Haftpflichtversicherung – von Prämienzuwächsen auszugehen. Das Bild auf der Schadenseite zeigt – verglichen mit den Schadenbelastungen der Vorjahre und auch im Hinblick auf das Beitragswachstum – einen überproportional kräftigen Anstieg, zu dem nicht zuletzt die Großschadenereignisse des Jahres (u. a. der Wintersturm „Xynthia“) beitrugen. In den versicherungstechnischen Ergebnissen ist daher von einem Anstieg der kombinierten Schaden-/Kostenquote (Combined Ratio) in der Größenordnung von 1 bis 2 Prozentpunkten auszugehen, der durch die Ergebnisse aus Kapitalanlagen infolge des Niedrigzinsumfeldes nicht kompensiert werden konnte.

Im zweiten Jahr in Folge hat die deutsche Lebensversicherung 2010 ein deutliches Prämienwachstum erzielen können: Mit einer Steigerung um 7 % erhöhten sich die gebuchten Bruttobeiträge der deutschen Lebensversicherer (ohne Pensionskassen und Pensionsfonds) 2010 auf rund 87 Mrd. EUR. Ein wesentlicher Anteil dieses erfreulichen Zuwachses geht wie im Vorjahr auf das Konto des Einmalbeitragsgeschäfts, das um rund 30 % auf 26 Mrd. EUR zulegen konnte. Das Einmalbeitragsgeschäft wurde durch das herrschende Umfeld und die Kapitalmarktbedingungen begünstigt. Demnach trafen die zur Anlage zur Verfügung stehenden Mittel auf nur sehr niedrig verzinsliche Angebote bei Bankeinlagen, sodass erhebliche Beträge in die von sofort beginnenden bzw. aufgeschobenen privaten Rentenversicherungen über Riester- und Basisrenten bis zu so genannten Kapitalisierungsprodukten reichende Produktpalette der Versicherer investiert wurden. Für Kapitalisierungsprodukte – in der Regel kurzfristige, tagesgeldähnliche Geldanlagen – bestand phasenweise eine überaus lebhafte Nachfrage, zumindest solange eine überdurchschnittlich attraktive Verzinsung angeboten wurde. Seit dem 4. Quartal 2010 hat sich die Dynamik dieser Form des Einmalbeitragsgeschäfts unter dem Eindruck von Zinssenkungen und der weitgehenden Angebotsbegrenzung auf die Ablaufleistungen eigener Bestandskunden jedoch deutlich reduziert. Im Gegensatz zum Einmalbeitragsgeschäft hat das Neugeschäft gegen laufende Beitragszahlungen signifikant nachgelassen, da sich nach dem Schock der Finanzkrise offenbar die Bereitschaft zu längerfristigen Vertragsabschlüssen in der Breite noch nicht wieder etabliert hat. Gleichwohl besteht ein hohes Kundeninteresse an Sicherheit. Dieses Bedürfnis entspricht der Kernkompetenz der deutschen Lebensversicherer, die mit ihrer breiten Produktpalette unterschiedlichste Rendite- und Sicherheitserwartungen abdecken können.

Trotz des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes, das weiterhin eine ernstzunehmende Belastungsprobe für die deutschen Lebensversicherer darstellt, und trotz marktweit sinkender Überschussdeklarationen zugunsten der Versicherungsnehmer gingen die Ablaufleistungen im gewinnbeteiligten Neugeschäft für Kapitallebens- sowie Rentenversicherungen entweder gar nicht oder nur sehr moderat zurück. Den Versicherungsnehmern kam dabei der Umstand zugute, dass die Festlegung des Zinssatzes für die Guthabenverzinsung nur einen von mehreren Faktoren für die Gesamthöhe der Überschussbeteiligung bildet.