Geschäftsentwicklung

Der Talanx-Konzern konnte im Jahr 2010 in wichtigen Kenngrößen ein- bis zweistelliges prozentuales Wachstum verzeichnen: bei den gebuchten Bruttoprämien – insbesondere im Ausland –, dem Neugeschäft sowie im Kapitalanlageergebnis. Die gestiegenen Prämien und das verbesserte Kapitalanlageergebnis konnten jedoch den Rückgang im versicherungstechnischen Ergebnis nicht ausgleichen, sodass das EBIT deutlich hinter dem des Vorjahres zurückblieb. Die Gründe sind vielfältiger Natur, liegen aber insbesondere in einer deutlich höheren Risikovorsorge bei deutschen Lebensversicherungsgesellschaften und im internationalen Privatkundengeschäft, besonders im Hinblick auf künftige Kapitalmarktmaßnahmen. Trotzdem konnte die Finanzkraft, ausgedrückt in der Solvabilitätsquote, gesteigert werden.

Gebuchte Bruttoprämien
Balkendiagramm: Gebuchte Bruttoprämien
Operatives Ergebnis (EBIT)
Balkendiagramm: Operatives Ergebnis (EBIT)

Erster Schritt der Umstrukturierung abgeschlossen

Wie geplant sind die ersten Schritte der im September 2009 gestarteten Umstrukturierung des Talanx-Konzerns im Erstversicherungsbereich gesellschaftsrechtlich abgeschlossen und mit dem Sozialpartner verhandelt. Und sie zeigt erste Erfolge: In Deutschland konnte der Konzern trotz schwieriger Marktbedingungen 2010 im Neugeschäft zulegen. Dass unsere Maßnahmen jetzt schon greifen, zeigt: Wir haben unser erstes Etappenziel beim Konzernumbau erreicht und trotzdem den Markt nicht aus den Augen verloren. Aber am Ziel sind wir noch nicht. Der Schwerpunkt der weiteren Maßnahmen zum Konzernumbau 2011 wird auf der deutschen Privat- und Firmenversicherung liegen. Hier laufen bereits intensive Vorbereitungen, um den Bereich zukunftsfähig aufzustellen. Ziel ist, Geschäftsprozesse und Organisation an den Anforderungen der Kunden und Vertriebspartner auszurichten und zu diesem Zweck Produkt-, Vertriebs- und Servicestrategien spartenübergreifend zu entwickeln.

Fortschritte im internationalen Geschäft

Überdurchschnittliches organisches Wachstum im Ausland kann der Konzern vor allem aus Lateinamerika berichten, insbesondere aus Brasilien.

Ein weiterer Erfolg gelang der Gruppe durch den Abschluss einer Kooperation mit dem japanischen Lebensversicherungsunternehmen Meiji Yasuda. Dabei emittierte die Talanx AG ein Solvency-II-fähiges Papier mit Pflichtwandlung zum Zeitpunkt des geplanten Börsengangs der Talanx AG. Meiji Yasuda Life zeichnete diese Kapitalbeteiligung mit einem Volumen von 300 Mio. EUR; gleichzeitig schlossen beide Unternehmen eine strategische Partnerschaft. Das Zusammenlegen der Kräfte der beiden Partner erhöht die beiderseitigen Chancen beim Eintritt in neue Märkte. Angedacht sind gemeinsame Investitionen in den Schwerpunktländern Polen und Türkei. Zudem verfügt Talanx mit der Sicherung eines institutionellen Ankeraktionärs bereits vor einem Börsengang über eine höhere finanzielle Planungssicherheit.

Geschäftsverlauf Konzern

Die gebuchte Bruttoprämie inklusive der Sparbeiträge aus der fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherung stieg um 9 % auf 22,9 (20,9) Mrd. EUR. Der Zuwachs stammt aus der Rückversicherung sowie aus Privat- und Firmenversicherung International. Überwiegend handelt es sich um organisches Wachstum; Wechselkursänderungen machen 3 Prozentpunkte der Prämiensteigerung aus. Die Anzahl der Verträge im Erstversicherungsgeschäft erhöhte sich um 2 % auf 22,8 (22,4) Mio. Stück; dazu trugen in der Hauptsache die Auslandsgesellschaften bei.

Das Kapitalanlageergebnis erhöhte sich um 20 % auf 3,2 (2,7) Mrd. EUR. Der Anstieg resultierte aus Verbesserungen in den Erstversicherungsbereichen – besonders bei Privat- und Firmenversicherung Deutschland – und in der Schaden-Rückversicherung. Das EBIT lag bei 1,0 (1,5) Mrd. EUR, was einem Rückgang um 31 % entspricht. Dies ist hauptsächlich bedingt durch einen – insbesondere getrieben durch die höhere Risikovorsorge – schlechteren Verlauf in der deutschen Lebensversicherung sowie eine schlechtere Entwicklung einzelner Gesellschaften im Bereich Privat- und Firmenversicherung International. Zudem ist nach einer außerordentlich geringen Schadenbelastung im Vorjahr das versicherungstechnische Ergebnis in den Bereichen Industrie- und Schaden-Rückversicherung rückläufig. Das versicherungstechnische Ergebnis insgesamt verringert sich – auch wegen der Beteiligung der Versicherungsnehmer an den gestiegenen Kapitalerträgen – um 98 % auf –2,0 (–1,0) Mrd. EUR. Durch steigende Schaden-/Kostenquoten insbesondere in den Bereichen Industrieversicherung sowie Privat- und Firmenversicherung Deutschland erhöhte sich die kombinierte Schaden-/Kostenquote insgesamt: Sie stieg um 4,2 Prozentpunkte auf 100,9 (96,7) %. Auch das übrige Ergebnis liegt unter dem des Vorjahres. Das Konzernergebnis nach Steuern und Minderheitsanteilen erreichte 220 (485) Mio. EUR, was einer Eigenkapitalrendite von 4,6 (11,8) % auf das im Vergleich zum Vorjahr deutlich höhere Konzerneigenkapital entspricht.