Ausprägung von Risiken aufgrund von Versicherungsverträgen und Finanzinstrumenten

Management von Risiken aus Kapitalanlagen

Zur Überprüfung der strategischen Asset-Allokation wird regelmäßig die Struktur der selbstverwalteten Kapitalanlagebestände (ohne Depotforderungen) überprüft. Zum Stand 31. Dezember 2010 ergibt sich für den Konzern folgendes Bild:

Gewichtung wesentlicher Kapitalanlageklassen

Rahmenwert
gemäß Kapital-anlagerichtlinien

Stand per 31.12.2010

Stand per 31.12.2009

%

     

Renten (Direktbestand und Investmentfonds)

mind. 50

86

84

Börsennotierte Aktien
(Direktbestand und Investmentfonds)

max. 25

2

3

Immobilien
(Direktbestand und Investmentfonds)

max. 5

2

2

Dabei zeigt sich, dass sich die Rentenpapiere, Aktien und Immobilien im Rahmen der definierten Konzernlimite bewegen. Unter der Maßgabe der Risikotragfähigkeit des Unternehmens sowie der aufsichtsrechtlichen Anforderungen werden durch unsere gesamtheitlichen Asset-Liability-Steuerungssysteme die Anlageziele Sicherheit, Rentabilität, Liquidität sowie Mischung und Streuung ausgewogen berücksichtigt. Risiken, die dem in erster Linie entgegenstehen, sind Marktrisiken, Ausfallrisiken und Liquiditätsrisiken.

Marktrisiken

Das Marktänderungsrisiko umfasst in erster Linie das Risiko von Marktpreisänderungen von festverzinslichen Anlagen und von Aktien sowie das Währungsrisiko durch Wechselkursschwankungen bei nicht kongruenter Bedeckung. Dies kann zu Wertberichtigungsbedarf oder zu realisierten Verlusten bei der Veräußerung von Finanzinstrumenten führen. Auch kann ein Absinken des Zinsniveaus geringere Kapitalanlageerträge bewirken.

Eine wichtige Maßnahme zur Überwachung und Steuerung der Marktpreisrisiken ist die ständige Analyse des Value at Risk (VaR), die sich zunehmend von einem aktivischen Messansatz hin zu einem Aktiv/Passiv-Konzept fortentwickelt. Der VaR definiert den geschätzten maximalen Verlust, der innerhalb einer vorgegebenen Haltedauer (z. B. 10 Tage) mit einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit (z. B. 95 %) nicht überschritten wird.

Die Ermittlung des VaR erfolgt täglich auf Basis historischer Daten. Im Rahmen dieser Berechnungen werden die Verlustpotenziale sowohl des Gesamtportfolios als auch von Teilportfolios überwacht und limitiert. Bei der Berechnung dieses maximalen Verlustpotenzials werden ein Konfidenzniveau von 95 % und eine Haltedauer von 10 Tagen zugrunde gelegt. Das heißt, dass dieses geschätzte Verlustpotenzial innerhalb von 10 Tagen mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 % überschritten wird.

Als Eingangsdaten fließen täglich fortgeschriebene Bestände in die Berechnung ein. Der Umfang der Marktdatenhistorie zur Risikoanalyse beträgt 181 Wochen. Darauf basierend werden 180 Wochenänderungen für jeden relevanten Marktparameter wie z. B. Aktienkurse, Wechselkurse und Zinssätze berechnet, die dann zur Value-at-Risk-Ermittlung herangezogen werden. Marktbeobachtungen der jüngsten Vergangenheit werden durch die Verwendung eines so genannten Decay-Faktors stärker gewichtet, um die Sensitivität des VaR-Modells auf aktuelle Volatilitätsveränderungen und damit die Prognosequalität zu verbessern. Die Aktualisierung der Zeitreihen, auf deren Basis die Risikoparameter berechnet werden, erfolgt wöchentlich. Dabei werden die Marktparameter der ältesten Woche entfernt und durch diejenigen der aktuellen Woche ersetzt. Basierend auf den aktualisierten Marktdaten wird eine Rekalibrierung des Risikomodells vorgenommen.

Das verwendete Risikomodell basiert auf einem Multifaktorenmodell. Dieses Modell fußt auf einer Vielzahl repräsentativer Zeitreihen wie z. B. Zinsen, Wechselkursen und Aktienindizes. Aus diesen Zeitreihen lassen sich mithilfe einer Hauptkomponentenanalyse alle risikorelevanten Faktoren ermitteln. Die zwischen den Zeitreihen bestehenden Korrelationen fließen in die Gewichtung der Risikofaktoren ein. Dadurch werden Kumulations- und Diversifikationseffekte bei der Risikoschätzung berücksichtigt. Die einzelnen Bestandteile des Portfolios werden gegen diese Faktoren regressiert. Die dabei ermittelten Faktorladungen stellen einen Zusammenhang zwischen den Bewegungen der Faktoren, die aus den Bewegungen der repräsentativen Zeitreihen abgeleitet wurden, und den Bewegungen der Wertpapiere her. Durch die Simulation der Faktorentwicklungen werden die Risiken der Wertpapiere abgeleitet. Das Risiko der Optionen wird durch vollständige Simulation abgeleitet. Hierdurch werden die nichtlinearen Zusammenhänge zwischen Optionspreisen und den Preisbewegungen der zugrunde liegenden Basiswerte berücksichtigt.

Der Ermittlung des Value at Risk liegen Normalszenarien der Märkte zugrunde. Um auch Extremszenarien abbilden zu können, werden zusätzlich Stresstests vorgenommen. Hierbei werden die Verlustpotenziale auf Basis bereits eingetretener oder fiktiver Extremereignisse geschätzt. Die tatsächlichen Marktentwicklungen können von den Modellannahmen abweichen.

Der VaR (Konfidenzniveau 95 %, Haltedauer 10 Tage) zum 31. Dezember 2010 betrug 1,1 Mrd. EUR, das entspricht 1,6 % der betrachteten Kapitalanlagen.

Stresstests sowie Szenarioanalysen ergänzen das Steuerungsinstrumentarium. Für zinssensitive Produkte und Aktien errechnen wir eine mögliche Marktwertänderung anhand eines historischen Worst-Case-Szenarios auf Tagesbasis, womit wir das Verlustpotenzial unter extremen Marktbedingungen abschätzen. Im Rahmen von Szenarien simulieren wir auf der Basis von historischen Daten Aktien- und Währungskurs- sowie Renditeänderungen. Zinsänderungsrisiken bestehen aus einer ungünstigen Wertänderung der im Bestand gehaltenen Finanzinstrumente aufgrund von Änderungen des Marktzinsniveaus. Sinkende Marktrenditen führen zu Marktwertsteigerungen bzw. steigende Marktrenditen zu Marktwertsenkungen des festverzinslichen Wertpapierportfolios. Aktienkursrisiken resultieren aus ungünstigen Wertänderungen, z. B. durch Verluste bestimmter Aktienindizes, der im Bestand gehaltenen Aktien und Aktien- bzw. Indexderivate. Durch gezielte Diversifikation in verschiedene Branchen und Regionen streuen wir diese Risiken. Währungskursrisiken sind für einen international agierenden Versicherungskonzern, in dem ein wesentlicher Teil des Geschäfts in Fremdwährung gezeichnet wird, von großer Bedeutung.

Die folgende Tabelle zeigt Szenarien der Entwicklung der im Konzern gehaltenen Kapitalanlagen zum Bilanzstichtag. Bei der Darstellung handelt es sich um eine Bruttodarstellung; insbesondere werden bei den gezeigten Effekten die Steuern sowie die Rückstellung für Beitragsrückerstattung nicht berücksichtigt. Effekte, die sich aufgrund der Überschussbeteiligung der Versicherungsnehmer in der Personen-Erstversicherung ergeben, sind somit nicht Bestandteil der Analyse. Unter Beachtung dieser Effekte würden sich die dargestellten Auswirkungen auf die Ergebnisse und das Eigenkapital deutlich reduzieren.

Szenarien der Entwicklung von im Konzern gehaltenen Kapitalanlagen zum Bilanzstichtag:

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Portefeuille

Szenario

 

Erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen 1)

Erfolgsneutral im Eigenkapital zu erfassen 1)

31.12.2010
Bestands-veränderung auf Marktwertbasis 2)

31.12.2009
Bestands-veränderung auf Marktwertbasis 2)

Mio. EUR

           

Aktien 3)

Aktienkurse

+20 %

+17

+345

+361

+347

 

Aktienkurse

+10 %

+8

+173

+181

+170

 

Aktienkurse

–10 %

–8

–184

–191

–166

 

Aktienkurse

–20 %

–14

–367

–382

–320

             

Festverzinsliche Wertpapiere

Renditeanstieg

+200 bps

–37

–2.149

–6.297

–5.613

 

Renditeanstieg

+100 bps

–19

–1.122

–3.346

–2.977

 

Renditerückgang

–100 bps

+19

+1.203

+3.456

+2.966

 

Renditerückgang

–200 bps

+38

+2.501

+7.245

+6.202

             

Währungssensitive Kapitalanlagen

Wechselkursveränderung 4)

+10 %

–1.614

–136

–1.750

–1.493

 

davon USD

 

–894

–95

–989

–911

 

davon GBP

 

–188

–6

–194

–164

 

davon AUD

 

–150

–150

–108

 

davon Sonstige

 

–381

–36

–418

–310

 

Wechselkursveränderung 4)

–10 %

+1.614

+136

+1.750

+1.493

 

davon USD

 

+894

+95

+989

+911

 

davon GBP

 

+188

+6

+194

+164

 

davon AUD

 

+150

+150

+108

 

davon Sonstige

 

+381

+36

+418

+310


1) Bruttodarstellung (vor Steuern und Überschussbeteiligung)

2) Inkl. Finanzinstrumente der Kategorien „Darlehen und Forderungen“ und „Bis zur Endfälligkeit zu haltende Finanzinstrumente“

3) Inkl. Derivatebestände

4) Wechselkursschwankungen gegenüber dem Euro um +/–10 %, auf Basis der Bilanzwerte

Unsere Kapitalanlagen setzen sich aus folgenden Währungen zusammen:

Währung

31.12.2010

31.12.2009

%

   

EUR

76

78

USD

13

13

GBP

3

2

AUD

2

2

Sonstige

6

5

Gesamt

100

100

Zur Teilabsicherung von Beständen, insbesondere im Hinblick auf Preis-, Währungs- und Zinsänderungsrisiken, setzen wir Short-Call- und Long-Put-Optionen sowie Swaps ein. Darüber hinaus haben wir im Berichtsjahr derivative Finanzinstrumente eingesetzt, um unser Portfolio im Hinblick auf Risiko-Ertrags-Gesichtspunkte zu optimieren. Um Risiken, insbesondere Kreditrisiken, aus der Anwendung dieser Geschäfte zu vermeiden, werden die Verträge ausschließlich mit erstklassigen Kontrahenten abgeschlossen und die Vorgaben aus den Anlagerichtlinien eingehalten. Durch die konsequente Anwendung des Prinzips der kongruenten Währungsbedeckung können wir zudem das Fremdwährungsrisiko im Konzern deutlich reduzieren.