Ausprägung von Risiken aufgrund von Versicherungsverträgen und Finanzinstrumenten

Management von Liquiditätsrisiken

Unter dem Liquiditätsrisiko verstehen wir die Gefahr, nicht rechtzeitig in der Lage zu sein, Kapitalanlagen und andere Vermögenswerte in Geld umzuwandeln, um unseren finanziellen Verpflichtungen bei Fälligkeit nachkommen zu können. So können wegen Illiquidität der Märkte Bestände nicht oder nur mit Verzögerungen veräußert oder offene Positionen nicht oder nur mit Kursabschlägen geschlossen werden. Dem Liquiditätsrisiko begegnen wir durch regelmäßige Liquiditätsplanungen sowie durch Abstimmung der Fälligkeiten der Kapitalanlagen und der finanziellen Verpflichtungen. Durch eine liquide Anlagestruktur stellen wir sicher, dass der Konzern jederzeit in der Lage ist, die erforderlichen Auszahlungen zu leisten. Bei den versicherungstechnischen Zahlungsverpflichtungen wird unter anderem auf die erwarteten Fälligkeiten abgestellt, die die Abwicklungsmuster der Rückstellungen berücksichtigen.

Zur Überwachung der Liquiditätsrisiken ist jede Wertpapiergattung mit einem Liquiditätskennzeichen versehen, das angibt, wie schnell ein Wertpapier veräußert werden kann. Diese Kennzeichen werden vom Portfolio-Management regelmäßig überprüft, Änderungen werden im Risikocontrolling plausibilisiert und die Kennzeichen gegebenenfalls modifiziert. Die Daten fließen anschließend in das standardisierte Bestandsreporting an die Finanzvorstände ein. Vorgegebene Mindest- und Höchstlimite für die Liquidität werden beachtet. Überschreitungen von Risikolimiten werden den Finanzvorständen und dem Portfolio-Management unverzüglich zur Kenntnis gebracht.

Zur Darstellung der Kapitalanlagen und der Bruttorückstellungen sowie der Rückversicherungsanteile (nach ihren erwarteten bzw. vertraglichen Laufzeiten gegliedert) verweisen wir auf die Erläuterungen zu den entsprechenden Bilanzposten.

Die folgende Tabelle zeigt die Cashflows der wesentlichen versicherungstechnischen Nettorückstellungen (Deckungsrückstellung, Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle) und der finanziellen Verbindlichkeiten, die für das Management von Liquiditätsrisiken von Bedeutung sind. Die versicherungstechnischen Rückstellungen sind gegliedert nach den erwarteten Laufzeiten, die Verbindlichkeiten nach den vertraglichen Laufzeiten:

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2010

Buchwert

3 Monate
bis 1 Jahr

1 bis
5 Jahre

5 bis
10 Jahre

10 bis 20 Jahre

Mehr als
20 Jahre

Ohne
Laufzeit

Mio. EUR

             

Versicherungstechnische Rückstellungen 1)

77.778

12.277

19.434

13.099

12.289

7.161

6.744

Finanzielle Verbindlichkeiten

             

Nachrangige Verbindlichkeiten

2.791

138

508

746

500

899

Begebene Anleihen und Darlehen

747

747

Übrige Verbindlichkeiten 2)

4.858

495

211

13

3

12

2

davon: Verbindlichkeiten aus Derivaten, ohne Sicherungsinstrumente 3)

85

9

59

12

2

1

2

davon: negative Marktwerte aus Sicherungsinstrumenten 3)

149

149

Summe

86.174

12.910

22.900

13.112

13.038

7.673

7.645



2009 4)

Buchwert

3 Monate
bis 1 Jahr

1 bis
5 Jahre

5 bis
10 Jahre

10 bis 20 Jahre

Mehr als 20 Jahre

Ohne
Laufzeit

Mio. EUR

             

Versicherungstechnische Rückstellungen 1)

73.531

11.134

18.599

12.210

11.893

6.932

6.242

Finanzielle Verbindlichkeiten

             

Nachrangige Verbindlichkeiten

2.003

524

746

138

595

Begebene Anleihen und Darlehen

675

2

673

Übrige Verbindlichkeiten 2)

4.561

54

386

6

2

2

304

davon: Verbindlichkeiten aus Derivaten, ohne Sicherungsinstrumente 3)

30

3

16

6

5

davon: negative Marktwerte aus Sicherungsinstrumenten 3)

42

8

34

Summe

80.770

11.190

19.658

12.740

12.641

7.072

7.141


1) Unter den versicherungstechnischen Rückstellungen werden ausschließlich die Deckungsrückstellungen und die Schadenrückstellungen nach Restlaufzeiten aufgeteilt. Die Rückstellung für Beitragsrückerstattung umfasst die handelsrechtlichen Ansprüche der Versicherungsnehmer, soweit sie nicht bereits endgültig einzelnen Versicherungsnehmern zugeteilt und ausgezahlt wurden. Im Wesentlichen ist daher eine eindeutige Zuordnung zu den einzelnen Versicherungsverträgen und zu den Restlaufzeiten nicht möglich. Die Rückstellung für Prämienüberträge umfasst den Teil der gebuchten Bruttoprämien, der als Ertrag für eine bestimmte Zeit nach dem Bilanzstichtag dem/den folgenden Geschäftsjahr(en) zuzurechnen ist. Es handelt sich bei der Rückstellung für Prämienüberträge nicht um zukünftige liquiditätswirksame Zahlungsströme

2) Unter den übrigen Verbindlichkeiten werden die Verbindlichkeiten gegenüber Versicherungsnehmern und Vermittlern sowie die Abrechnungsverbindlichkeiten aus dem Rückversicherungsgeschäft nicht nach Laufzeiten aufgeteilt gezeigt, da es sich um Verbindlichkeiten handelt, die direkt im Zusammenhang mit den Versicherungsverträgen stehen und entsprechend nicht getrennt davon betrachtet werden können

3) Eine Darstellung der undiskontierten Zahlungsströme bei entsprechenden Derivaten wird aus Wesentlichkeitsgründen nicht vorgenommen. Stattdessen werden die beizulegenden Zeitwerte der derivativen Finanzinstrumente angegeben

4) Angepasst aufgrund IAS 8

Die Depotverbindlichkeiten sind einbehaltene Sicherheiten für die an Rückversicherer und Retrozessionäre in Rückdeckung abgegebenen versicherungstechnischen Rückstellungen und lösen insofern keine Zahlungsströme aus. Die Veränderungen der Depotverbindlichkeiten leiten sich im Regelfall aus den Veränderungen der zugehörigen in Rückdeckung gegebenen versicherungstechnischen Rückstellungen ab. Daher haben Depotverbindlichkeiten keine vertraglich fixierte Fälligkeit; ihre Abwicklung erfolgt grundsätzlich in Abhängigkeit von der Abwicklung der korrespondierenden Rückstellungen.

Neben den zur Deckung der Rückstellungen und Verbindlichkeiten zur Verfügung stehenden Aktiva hat der Konzern weiterhin folgende Kreditlinien, die bei Bedarf gezogen werden können:

Der Talanx-Konzern hat mit einem breiten Bankenkonsortium eine disponible variabel verzinsliche Kreditlinie fest vereinbart, die im Bedarfsfall gezogen werden kann. Zum Bilanzstichtag haben wir eine Tranche über insgesamt 550 Mio. EUR in Anspruch genommen. Der Nominalwert der Kreditlinie beträgt zum Stichtag 1,5 Mrd. EUR.

Darüber hinaus bestehen mit verschiedenen Kreditinstituten Fazilitäten für Letters of Credit (LoC), darunter zwei unbesicherte syndizierte Avalkreditlinien aus den Jahren 2005 bzw. 2006. Nach vertraglichem Ablauf der ersten Hälfte der Linie aus dem Jahr 2005 im Januar 2010 beträgt deren Höhe zum Bilanzstichtag umgerechnet 0,8 (1,4) Mrd. EUR. Für die genannte zweite Hälfte dieser Linie endet die Laufzeit im Januar 2012. Die Laufzeit der Linie aus dem Jahr 2006, deren Höhe zum Bilanzstichtag umgerechnet 1,5 (1,4) Mrd. EUR beträgt, endet im Januar 2013.

Auf bilateraler Ebene bestehen zudem mit Kreditinstituten LoC-Fazilitäten in Höhe von umgerechnet 1,3 (1,1) Mrd. EUR mit jeweils unterschiedlichen Laufzeiten. Wir verweisen zu den gestellten LoC auf unsere Ausführungen im Kapitel „Sonstige Angaben“, Abschnitt „Haftungsverhältnisse und sonstige finanzielle Verpflichtungen“.

Im Dezember 2009 wurde eine speziell auf das US-amerikanische Lebensrückversicherungsgeschäft ausgelegte, langfristige und ebenfalls unbesicherte Linie mit einem Gesamtvolumen von umgerechnet bis zu 566 (523) Mio. EUR abgeschlossen.

Bei einer Reihe von LoC-Fazilitäten bestehen marktübliche vertragliche Klauseln, die den Kreditinstituten bei wesentlichen Veränderungen der Aktionärsstruktur bei unserer Konzerngesellschaft Hannover Rückversicherung AG Kündigungsrechte einräumen oder bei Eintritt wesentlicher Ereignisse, beispielsweise bei einer deutlichen Herabstufung des Ratings, eine Besicherungsverpflichtung auslösen.