Ausprägung von Risiken aufgrund von Versicherungsverträgen und Finanzinstrumenten

Management von Kreditrisiken aus Versicherungsverträgen

Forderungen aus dem Versicherungsgeschäft unterliegen einem Ausfallrisiko. Um dieses zu begrenzen, achten wir grundsätzlich auf eine gute Bonität des Schuldners, die anhand marktüblicher Ratingklassen gemessen wird. Die Auswahl der Rückversicherer wird darüber hinaus auf Basis interner und externer Expertenschätzung, wie beispielsweise Marktinformationen von Maklern, vorgenommen. Die Forderungen gegenüber Versicherungsnehmern und gegenüber Versicherungsmittlern sind grundsätzlich ungesichert. Das Ausfallrisiko dieser Forderungen unterliegt einer laufenden Beobachtung im Rahmen unseres Risikomanagements. Es handelt sich hierbei um eine Vielzahl von Forderungen mit verhältnismäßig niedrigen Einzelhöhen, die gegenüber einer diversifizierten Schuldnerschaft bestehen. Diese Forderungen bestehen im Allgemeinen gegenüber Versicherungsnehmern, die über kein Rating verfügen. Allein Firmenkunden ab einer gewissen Größenordnung verfügen über externe Einschätzungen ihrer Bonität.

Bei den Versicherungsvermittlern handelt es sich um einzelne Makler oder Maklerorganisationen, die in der Regel ebenfalls über kein Rating verfügen. Ausfallrisiken aus dem Rückversicherungsgeschäft werden im Wesentlichen auf Basis einer systemgestützten Abgabensteuerung geregelt: Es werden Abgabenlimite für die einzelnen Retrozessionäre vorgegeben und noch freie Kapazitäten für kurz-, mittel- und langfristiges Geschäft ermittelt.

Gegen mögliche Verzögerungen oder Ausfälle der Prämienzahlungen im Direkt- wie im Vermittlerinkasso betreiben die Konzerngesellschaften jeweils ein effektives Mahnverfahren mit dem Ziel einer Verminderung der Außenstände. Darüber hinaus werden bei Vermittlern Bonitätsprüfungen durchgeführt.

Kreditrisiken ergeben sich im Erstversicherungsgeschäft zudem aus Forderungen gegenüber Rückversicherern sowie in der Rückversicherung aus Forderungen gegenüber Retrozessionären, weil das abgeschlossene Bruttogeschäft nicht immer vollständig im Selbstbehalt bleibt, sondern nach Bedarf (retro)zediert wird. In der passiven Rückversicherung achten wir insbesondere bei Geschäftsverbindungen mit langer Abwicklungsdauer auf eine hohe finanzielle Solidität der Rückversicherer. Unsere Rückversicherungspartner werden unter Berücksichtigung externer Ratings durch Kreditkomitees sorgfältig ausgewählt, es wird fortlaufend auf ihre Bonität geachtet, und es werden gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zur Besicherung von Forderungen ergriffen.

Der Buchwert der Finanzinstrumente, die aus dem Versicherungsgeschäft resultieren, ohne Berücksichtigung von Sicherheiten oder sonstigen das Ausfallrisiko verringernden Vereinbarungen, als Äquivalent für die maximale Ausfallrisikoexposition am Abschlussstichtag, stellt sich wie folgt dar (ohne Depotforderungen):

  31.12.2010 1)
Zusammenstellung der Buchwerte der Finanzinstrumente, die aus Versicherungsverträgen resultieren

Industrie-versicherung

Privat- und Firmen-versicherung Deutschland

Privat- und Firmen-versicherung International

Schaden-Rückver-sicherung

Personen-Rückver-sicherung

Mio. EUR

         

Forderungen

         

Policendarlehen

198

2

Forderungen an Versicherungsnehmer

290

149

291

61

5

Forderungen an Versicherungsvermittler

272

146

39

298

Abrechnungsforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft

1.047

57

23

1.330

1.003

Sonstige Vermögenswerte

         

Anteile der Rückversicherer an den versicherungstechnischen Rückstellungen

2.967

873

254

914

515

Summe

4.576

1.423

609

2.603

1.523


1)
Darstellung nach Eliminierung konzerninterner Beziehungen zwischen den Segmenten

 31.12.2009 1)

Zusammenstellung der Buchwerte der Finanzinstrumente, die aus
Versicherungsverträgen resultieren

Industrie-versicherung2)

Privat- und Firmen-versicherung Deutschland

Privat- und Firmen-versicherung International

Schaden-Rückver-sicherung

Personen-Rückver-sicherung

Mio. EUR

         

Forderungen

         

Policendarlehen

199

2

Forderungen an Versicherungsnehmer

370

169

228

45

3

Forderungen an Versicherungsvermittler

138

157

41

277

Abrechnungsforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft

430

47

16

1.480

941

Sonstige Vermögenswerte

         

Anteile der Rückversicherer an den versicherungstechnischen Rückstellungen

2.980

888

234

1.595

265

Summe

3.918

1.460

521

3.397

1.209


1) Darstellung nach Eliminierung konzerninterner Beziehungen zwischen den Segmenten

2) Angepasst aufgrund IAS 8

Depotforderungen repräsentieren die von Konzerngesellschaften bei Zedenten gestellten Bar- und Wertpapierdepots, die keine Zahlungsströme auslösen und die von Zedenten nicht ohne Zustimmung unserer Gesellschaften verwertet werden können. Sie verhalten sich laufzeitkongruent zu den ihnen zuzuordnenden Rückstellungen. Bei Ausfall einer Depotforderung reduziert sich in gleichem Maß die versicherungstechnische Rückstellung. Daher ist das Kreditrisiko begrenzt; eine Darstellung in obiger Tabelle ist vor diesem Hintergrund unterblieben.

Für das in Rückdeckung gegebene Geschäft reduzieren wir das Risiko des Ausfalls von Forderungen gegenüber Rückversicherern dadurch, dass wir über unseren konzerneigenen Rückversicherungsmakler Protection Reinsurance Intermediaries AG die Rückversicherer sorgfältig auswählen und auf deren Bonität anhand von Einschätzungen international anerkannter Ratingagenturen achten.

In den drei Erstversicherungssegmenten beliefen sich die aus der passiven Rückversicherung, d. h. der Abgabe der von uns übernommenen Risiken, resultierenden Ansprüche – die Anteile der Rückversicherer – auf unverändert zum Vorjahr 4,1 Mrd. EUR. Die sich hieraus ergebenden Anteile der Rückversicherer an der Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle betragen 3,1 (3,0) Mrd. EUR.

Für die Kontrahenten der Anteile der Rückversicherer an den Rückstellungen für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle ergibt sich folgende Ratingstruktur auf Konzernebene:

 

AAA

AA

A

BBB

< BBB

ohne

%

           

Anteile der Rückversicherer
an den versicherungstechnischen
Rückstellungen

2 (11)

40 (23)

44 (54)

— (1)

— (—)

14 (11)

86 (88) % unserer Zessionäre sind mit einem Rating der Kategorie A und besser klassifiziert. Bei der Ermittlung der Ratings sind etwaige erhaltene Sicherheiten wie Depots oder Avalbürgschaften bereits berücksichtigt.

Die Abrechnungsforderungen an dem passiven Rückversicherungsgeschäft in den drei Erstversicherungssegmenten betragen (nach Abzug von Wertberichtigungen) 740 (389) Mio. EUR. Zum Bilanzstichtag weisen mehr als 60 (67) % dieser Abrechnungsforderungen ein Rating der Kategorie A oder besser auf.

In den beiden Rückversicherungssegmenten beliefen sich die Ansprüche aus der Retrozession zum Bilanzstichtag auf 1,4 (1,9) Mrd. EUR. Insgesamt 92 (96) % der Retrozessionäre sind mit einem so genannten Investment-Grade-Rating klassifiziert. Von diesen verfügen fast 92 (94) % über ein Rating der Kategorie A oder besser. Der hohe Anteil an Rückversicherern mit hohem Rating ist Ausdruck unserer Politik, Ausfallrisiken in diesem Bereich soweit möglich zu vermeiden.

Die Forderungen aus dem Versicherungsgeschäft, die zum Bilanzstichtag überfällig, aber nicht wertgemindert waren, stellen sich wie folgt dar:

 

31.12.2010

31.12.2009

 

> 3 Monate
< 1 Jahr

> 1 Jahr

> 3 Monate
< 1 Jahr

> 1 Jahr

Mio. EUR

       

Forderungen an Versicherungsnehmer

59

14

112

8

Forderungen an Versicherungsvermittler

44

22

31

21

Abrechnungsforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft

445

305

232

148

Summe

548

341

375

177

Bei den überfälligen Forderungen aus dem Versicherungsgeschäft handelt es sich um Forderungen, die zum Fälligkeitstag nicht bezahlt wurden und am Bilanzstichtag weiterhin offen waren. Bei der Darstellung wurde auf das kurze Laufzeitband „1 Tag bis 3 Monate“ verzichtet, da hier konzernweit unterschiedliche Prozesse zur Anwendung kommen. Im Konzern liegt das Forderungsmanagement dezentral in der Verantwortung der Tochtergesellschaften. Daraus ergibt sich, dass der Ablauf des Forderungsmanagements – den zugrunde liegenden Geschäftsrisiken folgend – unterschiedlich ist (u. a. unterschiedliche Behandlung ausfallgefährdeter Forderungen (Ausbuchung oder Wertberichtigung), unterschiedliche Zeitpunkte, wann das Forderungsmanagement einsetzt, und unterschiedliche Instrumente des Forderungsmanagements). Erst ab einer Überfälligkeit von mehr als 90 Tagen verlieren die genannten Gründe an Bedeutung und lassen eine konzernweite Aussage zu.

Bei den Erstversicherungsgesellschaften bestanden am Bilanzstichtag Forderungen aus dem Versicherungsgeschäft gegenüber Versicherungsnehmern und Versicherungsvermittlern, die seit mehr als 90 Tagen fällig waren, in Höhe von insgesamt 73 (120) bzw. 66 (52) Mio. EUR. Dies entspricht einer Quote von 9 (15) % bzw. 9 (9) %. Die zusammengefasste durchschnittliche Ausfallquote der vergangenen drei Jahre belief sich auf 2,3 (2,5) %. Aus dem passiven Rückversicherungsgeschäft beliefen sich die Abrechnungsforderungen mit einem Rückstand von mehr als 90 Tagen auf einen Betrag von insgesamt 325 (229) Mio. EUR, was einer Quote von 41 (46) % entspricht. Die jährliche Ausfallquote liegt bei 1,0 (1,5) %.

Bezogen auf die Segmente Schaden- und Personen-Rückversicherung, die durch die Gesellschaften des Hannover Rück-Konzerns repräsentiert werden, waren zum Bilanzstichtag 149 (151) Mio. EUR unserer Abrechnungsforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft in Höhe von 3,5 (2,9) Mrd. EUR älter als 90 Tage sowie teilweise wertgemindert. Dies entspricht einem Anteil von 4,3 (5,2) %. Die durchschnittliche Ausfallquote der vergangenen drei Jahre beträgt unverändert zum Vorjahr 0,2 %.

Unsere Forderungen aus dem in Rückdeckung gegebenen Geschäft sind nahezu unverändert zu 31,7 % durch Depots oder Avalbürgschaften gesichert. Bei den meisten unserer Retrozessionäre sind wir auch Rückversicherer, d. h., es besteht meist ein Aufrechnungspotenzial mit eigenen Verbindlichkeiten.

Auf eine Wertberichtigung der Forderungen aus dem Versicherungsgeschäft wurde insoweit verzichtet, als das Ausfallrisiko der Vermögenswerte durch Sicherheiten (z. B. Letters of Credit, Bardepots, Wertpapierdepots) vermindert ist.

Die wertberichtigten Forderungen stellen sich wie folgt dar:

 

31.12.2010

31.12.2009

Analyse der aus Versicherungsverträgen resultierenden, einzeln
wertgeminderten Vermögenswerte

Risiko-vorsorge

davon 2010

Buchwert nach Risiko-vorsorge

Risiko-vorsorge

davon 2009

Buchwert nach Risiko-vorsorge

Mio. EUR

           

Forderungen an Versicherungsnehmer

25

–8

796

33

–1

815

Forderungen an Versicherungsvermittler

21

–36

755

57

–20

613

Abrechnungsforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft

57

–52

3.460

110

–21

2.914

Summe

103

–96

5.011

200

–42

4.342

Im Berichtsjahr wurde Risikovorsorge für die Abrechnungsforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft in Höhe von 52 Mio. EUR aufgelöst. Diese Risikovorsorge ist nicht mehr erforderlich, nachdem wir u. a. im vergangenen Jahr durch die Verbriefung von aus Rückversicherungsforderungen resultierenden Ausfallrisiken die verbleibenden Kreditrisiken deutlich reduziert haben.

Die Wertberichtigungen auf Forderungen aus dem Versicherungsgeschäft, die wir auf separaten Wertberichtigungskonten erfassen, entwickelten sich im Berichtsjahr wie folgt:

Entwicklung der Wertberichtigungen auf Forderungen
aus dem Versicherungsgeschäft

2010

2009

Mio. EUR

   

Kumulierte Wertberichtigungen zum 31.12. des Vorjahres

200

242

Veränderung des Konsolidierungskreises

Wertberichtigungen des Geschäftsjahres

7

25

Zuschreibungen

91

63

Zuführungen (+)/Auflösungen (–)

–3

Währungskursänderungen

3

–1

Sonstige Veränderungen

–16

Kumulierte Wertberichtigungen zum 31.12. des Geschäftsjahres

103

200

Die Ausfallrisiken von Finanzinstrumenten, die aus Versicherungsverträgen resultieren, wurden durch Einzelbetrachtung ermittelt. Etwaige Sicherheiten wurden berücksichtigt. Der Anteil der wertgeminderten Forderungen belief sich auf 2 (5) %.

Im Einzelnen stellen sich die jährlichen Wertberichtigungsquoten wie folgt dar:

Wertberichtigungsquoten

31.12.2010

31.12.2009

31.12.2008

31.12.2007

%

       

Forderungen an Versicherungsnehmer

3,1

3,9

4,0

4,0

Forderungen an Versicherungsvermittler

2,6

8,5

11,2

8,6

Abrechnungsforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft

1,6

3,6

4,2

7,3

Die jährlichen Ausfallquoten beliefen sich auf:

Ausfallquoten

31.12.2010

31.12.2009

31.12.2008

31.12.2007

%

       

Forderungen an Versicherungsnehmer

1,6

1,8

4,2

2,1

Forderungen an Versicherungsvermittler

1,1

2,2

2,7

1,8

Abrechnungsforderungen aus dem Rückversicherungsgeschäft

0,2

0,2

0,1

0,3

Die Nettogewinne/-verluste aus Finanzinstrumenten aus Versicherungsverträgen betrugen:

2010

Zins-
erträge

Zinsauf-wendungen

Wert-
berichtigung

Zu-
schreibung

Summe

Mio. EUR

         

Depotforderungen

425

2

427

Depotverbindlichkeiten

145

–145

Anteile der Rückversicherer an den versicherungstechnischen Rückstellungen

–2

23

25

Gesamt

425

145

–2

25

307

2009

Zins-
erträge

Zinsauf-wendungen

Wert-
berichtigung

Zu-
schreibung

Summe

Mio. EUR

         

Depotforderungen

447

1

3

449

Depotverbindlichkeiten

207

–207

Anteile der Rückversicherer an den versicherungstechnischen Rückstellungen

10

33

23

Gesamt

447

207

11

36

265